Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) entstand in den 60er Jahren im Rahmen der Aufnahme von Psychotherapie als Regelleistung in die gesetzliche Krankenkasse. Während sie damals noch gern als kleine Schwester der Psychoanalyse bezeichnet wurde, konnte sich die TP vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend emanzipieren, so dass sie heute neben der Analytischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie als eine der drei großen Säulen in der psychotherapeutischen kassenärztlichen Versorgung wahrgenommen wird.

Grundlage der TP ist, wie in allen psychodynamischen Ansätzen, die Vorstellung, dass unbewusste Sehnsüchte, Wünsche oder auch Aggressionen zu innerpsychischen Spannungen und Konflikten führen können, die sich dann in Form ganz unterschiedlicher Symptome bzw. Störungen ihren Weg bahnen. Um zum Beispiel die unstillbare Sehnsucht, versorgt zu werden und Geborgenheit zu erfahren, nicht bewusst werden zu lassen, da diese in der frühen Kindheit nicht befriedigt und deshalb als schmerzhaft erlebt wurde, entwickelt man Interesse für einen helfenden Beruf, bei dem man ersatzweise die Anderen versorgt und ihnen Geborgenheit schenkt. Dieses so geschaffene Gleichgewicht ist allerdings äußerst fragil und kann zum Beispiel bei einem drohenden Arbeitsplatzverlust oder Konflikten am Arbeitsplatz zusammenbrechen. Burnout und Depression können dann die Folgen sein.

Im therapeutischen Prozess geht es nun primär darum, einen angstfreien Raum zu schaffen, der es dem Patienten ermöglicht, mit Hilfe des Psychotherapeuten einen bewussten Zugang zu diesen hinter den Symptomen liegenden Konflikten und Spannungen zu erhalten und diese dann gemeinsam durchzuarbeiten. Hierbei - und darin unterscheidet sich die Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie von der Analytischen Psychotherapie – wird während der Therapie auf einen klar eingegrenzten Bereich bestehender Konflikte fokussiert.

In den letzten Jahrzehnten gewann neben der auf Sigmund Freud zurückgehenden konfliktpathologischen Orientierung zunehmend ein therapeutisches Interesse an strukturbedingten Pathologien an Bedeutung.

Strukturelle Schwächen oder auch Ich-Schwächen zeigen sich vor allem darin, dass das konflikthafte Erleben auf die mangelhafte Regulationsfähigkeit von Emotionen wie Ärger, Trauer oder auch Angst zurückgeht. Die Frustrationstoleranz ist nur gering ausgeprägt, die Selbstwahrnehmung ist fragil und die zwischenmenschlichen Beziehungen sind oft durch eine mangelhafte Nähe-Distanz-Regulation gekennzeichnet. Während die Konfliktpathologie innerpsychisch reguliert wird, zeigt sich bei der Strukturpathologie das Bemühen um Stabilisierung dieser Ich-Schwächen vor allem in der Suche nach interpersonellen Lösungen. So sucht man sich beispielsweise in der unstillbaren Sehnsucht, grandios sein zu wollen, einen Partner, der einem genau diese Grandiosität wiederspiegeln soll. In der Folge kommt es bei Menschen mit strukturellen Schwächen vor allem dann zur Symptombildung, wenn die bisherige interpersonelle Regulation der Ich-Schwächen versagt. In der therapeutischen Behandlung von Menschen, bei denen eine Strukturpathologie im Vordergrund steht, sind ganz besondere Anforderungen hinsichtlich der Reflexion der Beziehungsdynamik zwischen Patient und Therapeut gefragt, da sich solche Störungen unmittelbar im Therapeut-Patient-Beziehungskontext zeigen und dort auch behandelt werden müssen.

Es gibt mittlerweile innerhalb der psychodynamischen Therapie eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Strömungen (Triebtheorie, Ich-Psychologie, Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Intersubjektive Psychotherapie, Relationale Psychotherapie). Nach dem Verständnis der Ostdeutschen Akademie für Psychotherapie handelt es sich bei diesen Strömungen um Erweiterungen des psychodynamischen Denkens, die sich keineswegs gegenseitig ausschließen. Vielmehr vergrößert diese Vielfalt an psychotherapeutischen Zugängen den Möglichkeitsraum, in dem sich der Psychotherapeut seinen so unterschiedlichen Patienten im Bemühen um Verstehen annähern kann. Es ist ein zentrales Merkmal der Ostdeutschen Akademie, genau diese Vielfalt an unterschiedlichen psychodynamischen Zugängen gleichberechtigt nebeneinander zu vermitteln. Dieses grundlegende Verständnis zeigt sich in der Gestaltung des Curriculums sowie in der Auswahl der an der Ostdeutschen Akademie tätigen Dozentinnen und Dozenten.

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