Hinweis: Gegenwärtig wird kein Ausbildungsgang in Verhaltenstherapie angeboten

Die Verhaltenstherapie (VT) ist der jüngste therapeutische Ansatz unter den etablierten Therapieverfahren und hat sich Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts aus der akademischen Psychologie entwickelt. Dieser Tradition folgend ist es bis heute ein besonderes Merkmal der VT, dass sie sich in ihrem grundlegenden Verständnis eng an der empirischen Psychologie orientiert.

Historisch betrachtet lässt sich die Verhaltenstherapie in drei Phasen, die in der Literatur gern auch als sogenannte Wellen bezeichnet werden, unterteilen.

Die erste Welle ist von der Übernahme der aus Laborexperimenten entwickelten Lerntheorien gekennzeichnet. Dieser Ansatz spielt auch heute noch insofern eine Rolle, als das Verhalten im weitesten Sinne zu großen Teilen als erlernt, aber auch verlernbar oder umlernbar verstanden wird. So kann der Beginn einer Angststörung und das damit verbundene Vermeidungsverhalten als Folge eines Lernprozesses gesehen werden. Ein Teil der verhaltenstherapeutischen Behandlung würde auch heute noch darin bestehen, dieses dysfunktionale Vermeidungsverhalten zu verlernen und durch alternative Verhaltensweisen zu ersetzen.

Die zweite Welle ist geprägt von der sogenannten „kognitiven Wende“ Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Neben den Lernprozessen rückten nun auch vermehrt das individuelle Denken und die persönlichen Überzeugungen in den Fokus. Entscheidend ist nun nicht mehr, wie die Welt „wirklich“ ist, sondern welches Bild sich jeder einzelne von dieser Welt macht und mit welchen inneren Überzeugungen man durch diese Welt geht. Ein zentraler therapeutischer Ansatz, der sich aus dieser Phase entwickelte, ist beispielsweise die Kognitive Therapie bei Menschen mit Depressionen. Das depressive Erleben wird nun auch verstanden als eine Folge von verinnerlichten irrationalen Gedanken und Überzeugen, die zum Beispiel den Druck erzeugen können, keine Fehler machen zu dürfen, immer perfekt sein und von allen geliebt werden zu müssen. Auch heute spielt die kognitive Umstrukturierung, die im Grunde ein therapeutisches Arbeiten an diesen inneren Überzeugen ist, eine zentrale Rolle in vielen verhaltenstherapeutischen Prozessen.

Die sogenannte dritte Welle Anfang der 80 Jahre des letzten Jahrhunderts bedeutete eine weitere Erweiterung und Öffnung der Verhaltenstherapie, da sie nun das emotionale Erleben der Patienten in den Fokus rückte und so achtsamkeitsbasierte und imaginative Interventionen zunehmend Einzug in den therapeutischen Prozess erhielten. Zentrale Ansätze, die aus dieser jüngsten Entwicklung hervorgegangen sind, sind beispielsweise die Dialektisch-Behaviorale Therapie zur Behandlung von Menschen mit Borderline Persönlichkeitsstörung oder auch die Schemattherapie, die das aktuelle Erleben der Patienten in einen engen Zusammenhang mit frühen, in der Kindheit erworbenen Schemata bringt.

Es wird deutlich, dass sich unter dem Dach der VT eine große Anzahl unterschiedlicher Ansätze versammeln, so dass es mittlerweile kaum mehr möglich ist, von der einen Verhaltenstherapie zu sprechen. Dieser Umstand bietet angehenden Verhaltenstherapeutinnen und Verhaltenstherapeuten die Chance, in dem großen Repertoire unterschiedlicher Zugängen nicht nur eine Vielzahl konkreter unterschiedlicher therapeutischer Interventionen kennenzulernen, sondern sich auch innerhalb der Verhaltenstherapie entsprechend des eigenen Störungs- und Interventionsverständnisses positionieren zu können.

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